Rückblick: 15. Neujahrsempfang am 7. Januar 2015

(Rückschau, 11.01.2015)

Weiterhin gute Auftragslage für das Handwerk. Herausforderung bezahlbarer Wohnraum (mit Bildergalerie)

Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs mit der Festrednerin Schwester Teresa Zukic von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu und Kaminkehrer-Obermeister Oswald KleinZahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft folgten der Einladung zum NeujahrsempfangKreishandwerksmeister Ulrich Dachs nimmt die Politik beim Thema Bezahlbarer Wohnraum in die PflichtVorstandssprecher Thomas Höbel von der gastgebenden Volksbank Raiffeisenbank DachauOberbürgermeister Florian Hartmann setzt auf sozialen Wohnungsbau und einen Gewerbeflächenentwicklungsplan für die Stadt DachauLandrat Stefan Löwl sieht Bildung und Siedlungsentwicklung als zentrale Aufgaben für den LandkreisSchwester Teresa Zukic wünscht sich mehr Fehlerfreundlichkeit in Betrieben, Gemeinden und GesellschaftSchreinermeister Josef Pfeil aus Bergkirchen erhält den "goldenen Meisterbrief"Erfolgreiche Jungmeister erhalten Urkunde und BildungsstipendiumDas Damen-Quartett Die Kussinen - einmal als Hausfrauen...... und einmal als Handwerkerinnen

 

Der Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft, der dieses Jahr bereits zum 15. Mal ausgerichtet wurde, hat sich als erster Top-Termin des Jahres etabliert. Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs konnte auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft begrüßen.

„Wir können uns glücklich schätzen, hier zu leben“, so Ulrich Dachs in seiner Begrüßungsansprache. Die Auftragslage, Zahl der Betriebe und der Mitarbeiter seien im letzten Jahr stabil geblieben. In einer Zeit, in der andere Betriebe Kurzarbeit anordnen, halte das Handwerk seine Mitarbeiter und viele Betriebe würde ihr Personal ausbauen, um die anstehenden Arbeiten und Aufträge bewältigen zu können. Für das Handwerk seien fleißige und ehrgeizige Mitarbeiter keine Kostenstelle, sondern eine Investition in die Zukunft. 

Dachs nahm jedoch auch Politik und Banken in die Pflicht: Für die Mitarbeiter seien neben der Sicherheit des Arbeitsplatzes und kurzer Wege zu diesem vor allem bezahlbare Wohnungs- und Lebensverhältnisse entscheidend. Und für die Betriebe stünden neben gut ausgebildeten und leistungsbereiten Mitarbeitern eine sichere Finanzierung der Aufträge und Standortsicherheit im Vordergrund. Aus Sicht des Handwerks sei es wichtig, die Betriebe zu halten und verstärkt neue bei uns anzusiedeln. Man dürfe sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. Stillstand sei immer auch ein Rückschritt.

Dachs lobte das Netzwerk des Mittelstandes untereinander und mit den Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Dachau. Ein jeder hier sei von dem anderen mittelbar oder unmittelbar abhängig und könne auch davon profitieren.

Grußworte

Als Hausherr sprach Thomas Höbel, Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Dachau, das erste Grußwort. Er versicherte, dass seine Bank auch in Zukunft ein verlässlicher Partner für den Mittelstand sein wolle. Denn mehr Investitionen schaffen Arbeitsplätze und stärken so auch den privaten Konsum.

Höbel sprach aber auch Probleme an, die aus seiner Sicht die wirtschaftliche Entwicklung gefährden. Zum einen brauche die Wirtschaft einen verlässlichen Rechtsrahmen und keine rückwirkenden Gesetzesänderungen, die in der Folge zu Problemen führen können. Besonders am Herzen liegt ihm eine Deregulierung, die den mündigen Bürger wieder in den Vordergrund stellt. Es werde immer wieder behauptet, der Einzelne sei nicht fähig zu verstehen, was er unterschrieben hat. Die Folge - immer umfangreichere Vertragswerke - hemmten natürlich das Wirtschaftswachstum.

Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann hob in seinem Grußwort die zentrale Rolle heraus, die das Handwerk in Stadt und Landkreis Dachau spiele. Es sei geradezu „omnipräsent in unserem täglichen Leben“. Umso bedauerlicher findet es Hartmann, dass das Handwerk so wenig Beachtung in der öffentlichen Diskussion und der aktuellen Wirtschaftsdebatte finde. Während große Konzerne in ihren Heimatländern trotz Milliardengewinnen kaum Steuern zahlen, Teile der Finanzindustrie durch Spekulationen dem Gemeinwesen mehr Schaden als Nutzen brächten (Hartmann nannte als Beispiel das Milliardendebakel der Bayerischen Landesbank nach dem Kauf der Hypo Alpe Adria), mache das Handwerk fleißig seine Arbeit, zahle seine Steuern und bilde junge Menschen aus.

Mit dem Thema „bezahlbarer Wohnraum“ nahm Hartmann eine der Forderungen von Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs auf. Dachau sei eine der teuersten Städte in ganz Deutschland, was das Wohnen betrifft, so Hartmann. Es müsse aber das Ziel sein, „dass zum Beispiel auch Bäcker-, Metzger- oder Friseurgesellen oder -gesellinnen in Dachau nicht nur arbeiten sondern auch leben können“. Die Stadtbau GmbH Dachau als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt verfüge über knapp 1.300 Sozialwohnung und leiste einen gewaltigen Beitrag. Allein dadurch lasse sich jedoch die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht ändern. Es seien vielmehr landkreisweit gewaltige Anstrengungen und Investitionen in den sozialen Wohnungsbau nötig.

Hartmann setzte sich auch für die Schaffung neuer Gewerbeflächen in Dachau ein. Zum einen um die Rahmenbedingungen zur Ansiedlung gewerbesteuerstarker Unternehmen zu schaffen und damit die Finanzsituation der Stadt mittel- und langfristig zu verbessern. Zum anderen um mehr wohnortnahe Arbeitsplätze zu schaffen. Die Zahl der Menschen, die in Dachau wohnen und zum Arbeiten auspendeln sei schon hoch genug. Er kündigte die Erstellung eines Gewerbeflächenentwicklungsplans durch den Stadtrat an.

Landrat Stefan Löwl zog für das vergangene Jahr eine positive Bilanz: Die Auftragslage des Handwerks bewege sich weiterhin stabil auf einem sehr hohen Niveau. Insbesondere die Baubranche habe nach wie vor Hochkonjunktur. Die Arbeitslosenquote lag zwischen 2,1 und 2,5 Prozent, somit nahe an der Vollbeschäftigung. Gerade für den Mittelstand brächte die Vollbeschäftigung jedoch große Herausforderungen mit sich, insbesondere den wachsenden Fachkräftemangel.

Mit zahlreichen Initiativen und Projekte versuche der Landkreis dieser Entwicklung entgegenzutreten: Als Bildungslandkreis investiere er weiterhin hohe Beträge in die weiterführen Schulen. Jüngstes Projekt sei die Ende des Jahres konkret gewordene Planung einer neuen Fachoberschule in Markt Indersdorf. Zusammen mit der Stadt Dachau, der Westallianz, der Gemeinde Karlsfeld und dem Landkreis plane man auch, einen Hochschulstandort zu etablieren. Diese Weiterbildungseinrichtung solle nicht nur für Schulabsolventen und Hochschüler sein, sondern es auch den Mitarbeitern des Mittelstandes und des Handwerks ermöglichen, sich dort weiterzuqualifizieren. Eine weitere Maßnahme sei der Aufbau eines sogenannten MINT Campus, mit dem Ziel, die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer im außerschulischen Bereich zu stärken. Neben einem Trägerverein mit den Landkreiskommunen soll auch ein Förderverein aus lokaler Wirtschaft, Handwerksbetrieben und mittelständischen Unternehmen gegründet werden, um die Finanzierung zu sichern.

Auch die Ausbildungssituation im Landkreis bleibe problematisch - weil sich zu wenig Auszubildende auf die freien Ausbildungsplätze bewerben. Hier sei es wichtig, in der Gesellschaft das Bewusstsein zu fördern, dass auch ein mittlerer Schulabschluss und eine handwerkliche Lehre zu einem auskömmlichen Leben ausreichen. Die Attraktivität des Handwerksberufs müsse den jungen Menschen noch mehr vermittelt werden. Veranstaltungen wie die gemeinsam organisierte jährliche Jobmesse in Dachau seien hierfür eine gute Gelegenheit.

Ähnlich wie die Stadt Dachau sieht auch der Landkreis große Aufgaben im Bereich der Siedlungsentwicklung: „Die Bereitstellung ausreichend bezahlbaren Wohnraums, der notwendigen Infrastruktur, aber eben auch die Arbeitsplätze vor Ort und die Gewährleistung der Mobilitätsanforderungen werden uns politische Verantwortungsträger auf der lokalen Ebene in den nächsten Jahren massiv beschäftigen.“ Löwl nannte konkret das durch die Landeshauptstadt München initiierte Bündnis für Wohnraum und Infrastruktur, das im März starten solle, sowie die Einrichtung eines neuen Sachgebiets Kreisentwicklung im Landratsamt ab Anfang Februar.

Festrede

Mit einer emotialen und mitreißenden Festrede zum Thema „der befreiende Umgang mit Fehlern“ sorgte Schwester Teresa Zukic von der Kleinen Kommunität der Geschwister Jesu für zugleich nachdenkliche und begeisterte Zuhörer.

Schwester Teresa bedauert, dass es in unserem Land überhaupt keine Fehlerkultur mehr gebe. Fehler seien unentschuldbar geworden. Wer einen Fehler begehe, wie beispielsweise Ex-Bundespräsident Wulf, der mit einem Freund Urlaub gemacht habe, müsse zurücktreten, bekomme keine zweite Chance, seinen Fehler wieder in Ordnung zu bringen. Demgegenüber seien „Sünden“, wie mit Immobilienspekulationen Menschen bewusst in den Ruin zu treiben, gesellschaftlich akzeptiert.

Fehler seien vielmehr die einzigartige Weise zu lernen, zu wachsen, zu leben. Wer mit seinen Fehlern umgehen kann, könne eine Persönlichkeit werden, kreative Lösungen für alle Probleme finden und seelisch gesund bleiben. Sie wünsche sich, dass wir befreit mit unseren Fehlern umgehen, dass wir den Mut finden, anderen zu vergeben, und in unserem Betrieben, Gemeinden und der Gesellschaft ein bisschen mehr Fehlerfreundlichkeit und den Mut weiterzumachen, erreichen.

Ehrungen

Wie bereits in 2014 eingeführt, wurden auch in 2015 junge Handwerker geehrt, die ihre Meisterprüfung im vergangenen Jahr abgelegt haben. Von 38 Jungmeistern absolvierten neun Meisterinnen und Meister ihre Prüfung mit so gutem Erfolg, dass sie von der bayerischen Staatsregierung mit dem Staatsehrenpreis ausgezeichnet wurden. Die Innungen der Kreishandwerkerschaft belohnten diese außergewöhnliche Leistung mit einer Urkunde sowie einem Bildungsstipendium in Höhe von jeweils 300,- Euro. Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs zollte den jungen Meistern höchste Anerkennung. Sie seien die Zukunft und damit auch die Hoffnung und Leistungsträger im Handwerk.

Dachs verwahrte sich in seiner Ansprache an die Jungmeister gegen Bestrebungen auf europäischer Ebene, dem Meisterbrief den Boden unter den Füßen wegzuziehen, nur um vermeintliche Marktzutrittsbarrieren abzubauen. Die Politik sei von unbegreiflichen Widersprüchen gekennzeichnet. Einerseits werde das duale Ausbildungssystem und die Meisterfortbildung zum „Best Practice“ erklärt, nicht zuletzt um die in vielen Ländern Europas grassierende Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen; andererseits werde am wichtigsten Pfeiler der qualifizierten Handwerksausbildung - dem Meisterbrief - gerüttelt. Wie verhängnisvoll dies sei, sehe man an den stark rückläufigen Ausbildungszahlen in den sogenannten „Anlage-B-Berufen“, für die seit der Handwerksnovelle von 2006 kein Meisterzwang mehr existiere.  Der Meisterbrief müsse die Voraussetzung für die Gründung eines Unternehmens und damit für die Funktionsfähigkeit des dualen Systems in der Handwerksausbildung bleiben.

Die geehrten Jungmeisterinnen und -meister:

Florian Blank (KFZ-Mechaniker)
Markus Bucher (Metallbauer)
Louis Dick (Installateur)
Michael Gradl (KFZ-Mechaniker)
Oliver Hölzl (Zimmerer)
Bernhard Kolmarx (Zimmerer)
Michael Kottermair (Feinmechaniker)
Markus Schmutz (Elektriker)
Stefanie Tkadletz (Maßschneiderin)

Ebenfalls geehrt wurde Josef Pfeil, der seit über 40 Jahren einen Schreinerbetrieb in Bergkirchen als Meister führt. Pfeil war darüberhinaus 33 Jahre im Prüfungsausschuss tätig und hat in dieser Zeit über 1.000 Lehrlinge in der Prüfung begleitet. In Anerkennung dieser Leistungen überreichte ihm Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs den goldenen Meisterbrief.

Musikalisches Begleitprogramm

Musikalisch begleitet wurde der Neujahrsempfang durch das A-Capella-Quartett „Die Kussinen“. Die Lieder der vier Sängerinnen zeichneten sich nicht nur durch moderne Arrangements bekannter Schlager und Evergreens sowie ironisch-hintersinnige, selbst verfasste Texte aus. Sie begeisterten das Publikum auch mit ihren farbenfrohen Kostümen, die sie mehrfach während des Abends wechselten - als Hausfrauen, im Stil der 20er oder als Handwerker-Trupp. 

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