19. Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft

(Rückschau, 05.03.2019)

Etwas Handfestes im Rückblick auf 2018 und ein philosophischer Ausblick auf das Jahr 2019

 

Zum 19. Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Dachau begrüßte zunächst Thomas Höbel, Hausherr und Vorstandssprecher der Volksbank Raiffeisenbank Dachau eG, in seinen Räumen in der Augsburger Straße. So überaus zahlreich folgten heuer die geladenen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Handwerk und Gewerbe der Einladung, dass der Saal fast zu klein war und nicht alle einen Sitzplatz ergattern konnten. Der guten Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch.

Auch Gastgeber Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs gab ein kleines Who is who zum besten. Er freute sich über das zahlreiche Erscheinen der Handwerksmeister, der Vertreter von Handwerkskammer, IHK, LAD und den Gewerbeverbänden. Er würdigte die gute Zusammenarbeit mit ihnen, mit den Schulen, der Arge und den Job-Centern.
Dass Landrat Stefan Löwl und Oberbürgermeister Florian Hartmann den Termin schon frühzeitig in ihren Kalendern vermerkt hatten und dass viele andere Vertreter von Gemeinden, sowie Stadt-, Kreis- und Landräte erschienen, lässt erkennen, wie sehr ihnen das Handwerk und der Mittelstand am Herzen liegen. Besonders Nicole Schön, der neuen Obermeisterin der Bäckerinnung Dachau, dankte er für ihr Engagement und den Mut, das Amt übernommen zu haben.
Als langjährigen Traditionsgast, der schon seit 18 Jahren dabei ist, würdigte er Josef Mederer,  Irmgard Hetzinger-Heinrici, seine Vorgängerin und Ehrenkreishandwerksmeisterin, und bedankte sich bei Herrn Klein, dem Kaminkehrer, der seit 15 Jahren jedem Gast einen kleinen Kaminkehrer übergibt, verbunden mit guten Wünschen für das neue Jahr.
Besondere Ehrengäste an diesem Abend sind 12 Jungmeisterinnen und Jungmeister, auf die noch eine kleine Überraschung wartet.

Die Gesundheit ist ein hohes Gut  – das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen
2018 war ein sehr erfolgreiches aber auch ein überaus arbeitsreiches Jahr; die Auftragslage war sehr gut. Daher bescherte sie aber auch vielen Handwerksbetrieben jede Menge Überstunden: weil Zulieferzeiten oft nicht eingehalten wurden und so der Druck auf die Betriebe zunahm. Der Fachkräftemangel wirkte sich in vielen Bereichen aus.
Hier macht Ulrich Dachs einen Schwenk in Richtung philosophische Betrachtung des Daseins und stimmt sein Publikum schon mal auf den Motivations-Coach Manuel Krautgartner und dessen abschließenden Vortrag ein.
Bei seinem Ausblick auf 2019 gibt Ulrich Dachs zu bedenken, dass die Pflichtwahrnehmung jedes Einzelnen, wie wir sie kennen, nicht angeboren, sondern vielmehr anerzogen ist.
Manche fahren die Ellenbogen aus und geben so den Druck, der auf ihnen und ihrem Unternehmen lastet an die Kunden weiter. Aber auch einige Kunden üben großen Druck auf die Unternehmen aus, weil sie selbst unter Zeitdruck stehen.
Das Alles bleibt nicht ohne Folgen: Wer Glück hat, spürt die physischen und psychischen Auswirkungen – Rücken, Knie oder Hautreaktionen – rechtzeitig und kann gegensteuern.
Wer sein Inneres nicht wahrnimmt, es gar ignoriert, riskiert Schlimmeres:  Burnout, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Er rät jedem, seinen eigenen Blickwinkel zu verändern, sich die Freiheit zu nehmen, mal abzuschalten und nur das zu tun, was sich richtig anfühlt: sei es Sport, Joga, Sauna oder Tanzen – wichtig ist, Zeit mit sich zu verbringen, seine Seele, seinen Geist und sich selbst wahrzunehmen. Nichts muss, alles kann. Auch bietet jeder Tag eine neue Chance, einen neuen Weg einzuschlagen, der uns prägt und Freiheit spüren lässt.
Für 2019 wünscht Ulrich Dachs allen Gästen: die Fähigkeit zum Querdenken, zum Umdenken, zur eigenen Weiterentwicklung, sich selbst wahrzunehmen.

Jede Medaille hat zwei Seiten
Landrat Stefan Löwl bestätigt, das Handwerk hat nach wie vor sehr gute Aussichten. Trotz erster Hinweise auf eine globale Krise ist die Wirtschafts- und Auftragslage in Deutschland und gerade auch im Landkreis gut. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2018 bei 1,8 Prozent, was nahezu Vollbeschäftigung bedeutet. Die stabile Beschäftigungslage, verbunden mit hoher Kaufkraft sorgen nicht nur dafür, dass es der Bevölkerung gut geht. Das wirkt sich natürlich auch auf die Finanzlage der Kommunen und des Landkreises äußerst positiv aus. Gute Geschäfte bedeuten gute Einnahmen, einerseits. Andererseits bedeuten sie weniger Ausgaben, weil soziale Transferleistungen viel geringer ausfallen.
Die Kehrseite der Vollbeschäftigung stellt jedoch viele Unternehmen wie auch den öffentlichen Sektor vor immer größere Probleme. Der Fachkräftemangel macht sich seit einigen Jahren immer stärker bemerkbar und es wird zunehmend schwieriger, gute Mitarbeiter zu bekommen. Zum Teil mangelt es an qualifizierten Bewerbern, aber auch der große Konkurrenzdruck durch die Nähe zur Metropolregion München, und gerade das wirtschaftlich sehr starke nördliche Umfeld, machen es schwer. Die große Herausforderung für die Chefs vieler Unternehmen  besteht zunehmend darin, sich, ihren Betrieb und ihre Arbeitsplätze attraktiv darzustellen, sowie insbesondere Jugendliche von der Zukunftsfähigkeit eines Berufs zu überzeugen.
Eigens für Schüler und Schülerinnen gibt es ein breites Angebot an Berufsinformationen, unter anderem die Ausbildungsplatz- und Praktikumsbörse Job2019, heuer am 4. Mai 2019, wie immer in der ASV-Halle, und die Bildungsnavi-App mit Informationen rund um alle Schultypen, Aus-, Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten sowie Jobbeschreibungen und Darstellungen verschiedener Berufsfelder, zum Teil in Form von Videos.

Kurz: Uns geht’s gut, sehr gut, eigentlich fast schon zu gut, weil die beinahe Vollbeschäftigung einerseits für ein dickes finanzielles Polster in der Region, den Kommunen und Gemeinden sorgt, andererseits aber auch ihren Tribut von Politik, Handwerk, Gewerbe und Wirtschaft einfordert.
Zitat: „Wir müssen aufpassen, das wir in unserer Region nicht überhitzen. Wachstum in Grenzen ist steuerbar, was wir nicht brauchen, sind neue Wachstumsimpulse.“ Soll wohl heißen: Lasst uns erst mal das regeln, was wir vor Ort vorfinden.
Guten und qualifizierten Mitarbeitern muss man etwas bieten:
Nichts Geringeres als:
– die Attraktivität und Stabilität eines Beschäftigungsverhältnisses und somit eine Zukunftssicherheit glaubhaft zu vermitteln;
– das Umfeld mit guten Lebensbedingungen in Einklang zu bringen. Das ist heute mehr als noch vor ein paar Jahren für jeden Arbeitgeber in der Privatwirtschaft wie auch im öffentlichen Dienst eine große Herausforderung;
– die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, sowie Infrastruktur müssen sich à la long den täglichen Gegebenheiten anpassen: z. B. dem Zwang zu pendeln, sei es mit dem eigenen PKW, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Rad, wie auch immer.
– Kindergärten, Schulen, Straßen- und Schienenverkehr, bezahlbarer Wohnraum – sie alle müssen sich am Bedarf der Menschen in der Region orientieren, will man all diese Menschen, die man gut und gerne ebenfalls als Leistungsträger betrachten sollte, auf Dauer an die Region binden.

Dennoch: Einen Überfluss zu gestalten, ist allemal besser, als einen Mangel zu verwalten, wie er sich in manch anderer Region mit negativer Arbeits- und Bevölkerungsentwicklung und geringem Wirtschaftswachstum zeigt.

Den Slogan „Das Handwerk, die Wirtschaftsmacht von nebenan“ findet Oberbürgermeister Florian Hartmann sehr gut gewählt. Denn immer, wenn er durch Dachau spaziere, zeigt sich das Handwerk an jeder Ecke, an jedem Straßenzug. Hier der Metzger mit seinen regionalen Erzeugnissen, da der Bäcker mit regionaltypischen Backwaren, dort der Friseur, den man schon von Kindesbeinen an kennt. Leider ist das Handwerk nicht überall so selbstverständlich präsent. In den Wirtschaftsteilen und Berichten großer Tageszeitungen dominieren eher Begriffe wie Big Player, Konzerne, Rendite und Übernahmen. Schade, denn das Handwerk als eine der tragenden Säulen unserer Gesellschaft und mit die zuverlässigste Komponente in unserem Leben verdient weit mehr Beachtung. Weder wandern Handwerker in Billiglohnländer ab, noch verlegen sie ihre Firmensitze in Steueroasen oder spekulieren an der Börse. Vielmehr gehen sie ihrer Arbeit nach, zahlen Steuern und bilden junge Leute aus. Vielleicht liegt es genau an dieser Unaufgeregtheit und Skandalfreiheit, warum es das Handwerk kaum in die Wirtschaftsteile großer Zeitungen schafft.
Ungeachtet dessen sind die Sorgen und Nöte so manchen Handwerkers überaus konkret und präsent. Spätestens dann, wenn er/sie sich fragen muss, wie, beziehungsweise ob man sich Leben und Wohnen in Dachau leisten kann. Immerhin gehört Dachau was Mietpreise angeht, mit zu den teuersten Städten Deutschlands.
Florian Hartmann sieht es so: Ziel der Stadt Dachau ist es, wirklich allen, den  Bäckern, Schreinern, Metzgern, Friseuren, Metallbauern, Gesellen und Gesellinnen nicht nur gute Arbeit zu bieten, sondern auch bezahlbaren Wohnraum und ein Umfeld, in dem es sich gut leben lässt.
Die Stadtbau Dachau als 100-prozentige Tochter der Stadt Dachau verfügt derzeit über mehr als 1300 Wohnungen. Der Bestand wird durch kontinuierliche Bautätigkeiten stetig ausgebaut. Allerdings braucht es dazu landesweit gewaltige Anstrengungen und Investitionen. Auch Handel, Gewerbe und Mittelstand sind gefordert. Die Stadt Dachau will dabei auch zukünftig ein verlässlicher Partner sein.

Manuel Krautgartner übernimmt den Saal.
In der nächsten Stunde wird er mit viel Humor, lockeren Sprüchen, auch anhand seiner eigenen Vita, zum Teil untermauert von Studienergebnissen, die menschliche Verhaltensweise filetieren und mit anschaulichen Beispielen Motivations- und Verhaltensalternativen aufzeigen.
Er wird Aktion und Reaktion, Standpunkt und Sichtweisen einander gegenüberstellen und den Preis einer Sache in Relation zu deren Wert setzen.
Ein echter Österreicher, der keinen Heel daraus macht, die Schule frühzeitig geschmissen, das Studium gar nicht erst angegangen zu haben – und für den es außerdem normal ist, jeden zu duzen – man möge ihm das nachsehen. Ein Motivations-Coach, dessen Lebensmotto sich ganz einfach zusammenfassen lässt: „Scheiß di net an!“.
Und genau das möchte er allen Anwesenden an diesem Abend fürs neue Jahr mitgeben: Mach Dich frei von inneren, äußeren und anerzogenen Zwängen, Werten und Vorstellungen, erkenne den wahren Wert hinter dem Preis. Beispiel: Was bekommt man nicht alles für 500,- Euro? In der Produktion dagegen kostet ein 500-Euro-Schein gerade mal 16 ct. Geld ist also nur Mittel zum Zweck. Ob eine Leistung ihren Preis wert ist, entscheidet sich beim Kunden meist emotional.
Lass Dich nicht manipulieren, weder von außen noch von Deinem Inneren, den anerzogenen oder erlernten Grenzen und Beschränkungen. Frage Dich lieber: Was wäre, wenn’s anders wäre?
Alles eine Frage der eigenen Einstellung:
– Klare Ziele zu definieren ist das Eine –  Aber: was bin ich bereit, dafür zu geben?
– Wenn ich meine Zukunft selbst gestalten will – Bin ich bereit, mich den Herausforderungen zu stellen?
– Was braucht’s, um nur einen Schritt in die Richtung meines Optimalzustandes zu gehen?
– Als Schöpfer meiner eignen Wirklichkeit weiß ich: keiner außer mir handelt und denkt für mich.
Durchaus bedenkenswerte Überlegungen, um ins neues Jahr zu starten.

Bevor Ulrich Dachs seine Gäste ans Buffet schickt, ehrt er die Jungmeister und Jungmeisterinnen des letzten Jahres. 60 junge Leute aus dem Landkreis Dachau haben sich der Meisterprüfung gestellt und sie auch bestanden. Kein einfacher Weg. Er beglückwünscht sie alle, die Kraft und Energie aufgebracht zu haben, ihren Beruf mit Leben zu erfüllen und ihr Können zukünftig auch weiterzugeben. Dieses Zertifikat – nicht umsonst heißt es „großer Befähigungsnachweis“ – bestätigt den Fleiß und würdigt die Anstrengungen und Leistungen, die sie alle erbracht haben.
12 junge  Menschen unter ihnen haben so gute Leistungen erzielt, dass ihnen von der Staatsregierung der Staatsehrenpreis zuerkannt wurde. Mit dieser Urkunde verbunden ist ein Bildungsstipendium in Höhe von 300,- Euro. (iko)

Jungmeister mit Staatsehrenpreis Landkreis Dachau 2018

Karosserie- und Fahrzeugbauer

   Herr Engelhard Lukas

Feinwerkmechaniker

   Herr Brack Christian

Schreiner

   Herr Rolletschek Martin

Elektrotechniker

   Herr Kieser Ludwig

Installateur- und Heizungsbauer

   Herr Deichl Christoph

Elektrotechniker

   Herr Dlask Florian

Informationstechniker

   Herr Günther Uwe

Elektrotechniker

   Herr Kapp Kevin

Feinwerkmechaniker

   Frau Vogl Jacqueline Susann

Zimmerer

   Herr Neuling Philip

Maler- und Lackierer

   Herr Pawel Alexander

Konditor

   Herr Dirr Fabian

 

 

 

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