18. Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft

(Rückschau, 23.01.2018)

in Dachau am 9. Januar 2018

Neujahrsgrüße für 2018Ulrich Dachs mit seinem DemonstrationsobjektDer schwarze Punkt im LebenLandrat Stefan LöwlOberbürgermeister Florian HartmannUlrich Dachs ehrt Jungmeister Herrn GasteigerUlrich Dachs und Hermann Krenn ehren die JungmeisterThomas Irlbeck "spielt" mit Sandra BreidingEine Vorführung der besonderen Art

 

Traditionell begrüßte Hermann Krenn, Hausherr und Direktor der Sparkasse Dachau als Erster seine Gäste aus Politik, Wirtschaft und Handwerk in den Räumen der Sparkasse Dachau – wo, wie in jedem geraden Jahr, wie er betonte, der Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft stattfindet.
Unter den Gästen befanden sich die Bundestagsabgeordneten Karin Staffler (CSU), Michael Schrodi (SPD), die Landtagsabgeordneten Bernhard Seidenath (CSU) und Martin Güll (SPD) sowie Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU).

Zum Thema Handwerk hatte er eine lange Liste, demonstrativ zusammengefasst in einem dicken Buch. Zur Freude aller Anwesenden entschied er sich jedoch, assistiert durch Herrn Fischer, Sprecher der Sparkasse Dachau, dessen Inhalt durch den kurzweiligen Imagefilm „Was wäre das Leben ohne Handwerk?“ zu ersetzen.
Sehr anschaulich wird demonstriert, was die Abwesenheit von Handwerk für eine Gesellschaft bedeutet: hier stürzende Gebäude, zerbröselndes Mobiliar, dort sich auflösendes technisches Gerät, da verschwindende Infrastruktur – am Ende bleiben zerzauste, zottelige, hungrige und nackte Gestalten, verlassen von allen guten Friseuren, Bäckern, Technikern, Schreinern und der Haute Couture. Gestalten, die eine Ödnis durchwandern und vergeblich versuchen, ein wärmendes Feuer zu entfachen, eine Höhle, eine Heimstatt, nur ein beschützendes Zuhause zu finden. Wer könnte das – einmal nur kurz durchdacht – schon wollen.

Ulrich Dachs, Kreishandwerksmeister, fand einen anderen Ansatz, die Bedeutung des Handwerks zu erläutern: Mit einem weißen Blatt Papier, in dessen Mitte sich ein kleiner, aber gut sichtbarer schwarzer Punkt befindet, demonstrierte er sehr anschaulich (eine Frage ans Publikum bewies es): Die kurze Sicht der meisten Menschen auf ihre Umgebung bestimmt zu oft die Welt, von der sich viele heute beherrscht fühlen: Nur der winzige schwarze Punkt – maximal ein Prozent des Blattes – dieser kleine Makel in der ansonsten weißen Umgebung dominiert die Wahrnehmung: Ein Handwerker im Haus, der Dreck verursacht und hinterlässt; ein als teuer empfundener Haarschnitt, eine als zu teuer empfundene Semmel oder Brez’n – gäbe es die beim Diskounter nicht billiger? Ein Dachdecker, der alles aufreißt und zunächst mal verwüstet.
Dennoch: Jeder braucht sie, jeder nutzt die Dienstleistungen der Handwerker – manche nur gelegentlich, sehr viele täglich. Zunächst jedoch überwiegen die gefühlten Nachteile.
Kaum jemand sieht parallel dazu das neu geflieste Bad, das dichte, wärmende Dach, die freundliche Beratung beim Bäcker, der sein Handwerk mit Liebe ausführt, die tolle neu Frisur und das nette Geplauder beim Frisör, die Regionalität der Waren und die damit einhergehende Lebensqualität. Kurz: Kaum einer sieht zuerst das regionale und kompetente Netzwerk an Handwerkern und Dienstleistern, die wir täglich ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen. Klar, man würde es erst bemerken, wenn es unser heimisches Handwerk nicht (mehr) gäbe.

Auch Landrat Stefan Löwl freute sich, den Jahresbeginn zum vierten Mal mit der Kreishandwerkerschaft zu begehen.
Nach einem kurzen Rückblick auf die immer noch äußerst stabile wirtschaftliche Lage des Handwerks, das insgesamt hohe Beschäftigungsverhältnis, einhergehend mit ebenso hoher Kaufkraft in Dachau und im Landkreis, wo die Arbeitslosenquote bei gerade mal 2,2 Prozent liegt (im Vergleich: 5,9 Prozent in Oberbayern) – das nennt man Vollbeschäftigung.
Auch Anfang 2018 kommt er nicht umhin, den Fachkräftemangel in allen Bereichen – nicht nur beim Handwerk, auch in Wirtschaft und Verwaltung zu thematisieren. Das ist die Kehrseite der Vollbeschäftigung. Qualifizierte Bewerber fehlen in allen Bereichen, Ausbildungsplätze können nicht besetzt werden. Zudem werden viele Arbeitskräfte von großen Wirtschaftsunternehmen im Umfeld abgeworben.
Weitere brennende Themen sah Stefan Löwl im hohen Siedlungsdruck in Dachau und im Umland. Im Nahverkehrskonzept, das einerseits dem Straßenverkehr, dem Radwegenetz, den Pendlern Rechnung tragen muss, andererseits aber auch den Handwerkern z. B., die vor Ort ihrer Arbeit nachgehen müssen, den benötigten Parkplatz zur Verfügung zu stellen.
Dramatisch: Viele Infrastrukturmaßnahmen können heute nicht mehr in Jahren, sondern müssen in Jahrzehnten gerechnet werden. Verwaltungswege dauern ewig, die Realisation einer Busverbindung z. B. kann bis zu 27 Monate beanspruchen, dank EU-Ausschreibung. Und mithin kann eine Finanzierung, die schon mal stand, dann schon nicht mehr gelten.
Gerade hier kommt dem Handwerk ein optimistischer Blick in, und eine große Aufgabe für die Zukunft zu: Das Handwerk leistet viel als Arbeitgeber, als Ausbilder und mehr noch als Produzent und Partner in vielen Bereichen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
Der Landkreis Dachau steht gut da – eine Region, in der es sich auch in Zukunft gut und sicher leben, lernen und arbeiten lässt.

Wie immer kurz und knackig äußerte sich Oberbürgermeister Florian Hartmann und er benutzte dafür ein Zitat Alfred Dreggers (CDU-Politiker! wer recht hat, hat Recht – und Oberbürgermeister von Fulda von 1956 - 1970 (*1920 - + 2002)): „Unser Reichtum sind nicht die Mundwerker, sondern die Handwerker“. Chapeau @ OB!
Damit ist aber auch schon („fast“) alles gesagt: Die Handwerker sind und bleiben eine wichtige und solide Säule in Dachau und seinem Umland. Sie erledigen zuverlässig ihre Arbeit, bilden junge Leute aus, investieren in deren und ihre eigenen Zukunft und zahlen „brav“ ihre Steuern. Einerseits stehen sie für Tradition und alte Werte, andererseits sind sie zukunftsorientiert und tragen der Digitalisierung Rechnung, die überall Einzug hält.
Dennoch: das individuell gefertigte Produkt ist des Handwerks traditionelle Stärke. So bald wird es keinen Roboter mit Scherenhänden geben, der einen guten Frisör ersetzten könnte und noch weniger eine „MetzgerWunderMaschine“, in die man auf der einen Seite ein Schweinderl reinschieben könnte, um auf der anderen Seite eine leckere Leberkässemmel rauszubekommen. Recht hat er!

Bevor Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs seine Gäste den Phantasien des Magiers Thomas Irlbeck (Tombeck) überlässt, der seine Zuschauer kurzweilig eine gute Stunde mit seinen Karten- und Seiltricks, mit „Gedankenübertragung“ und musikalischen Phantasien verzaubert, ehrt er noch die Jungmeister und Fachkräfte der Zukunft mit einem Meisterstipendium und einer kleinen  Gratifikation: Hermann und Elisabeth Eberle, Johannes Gasteiger und Stefan Anneser.

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